Strickausflug zur Pfaueninsel

Strickausflug zur Pfaueninsel

Heute gibt es mal einen kleinen Reisebericht! Wer sich auch noch an frühere Deutschstunden erinnert fühlt, hebe die Hand!

Pfaueninsel mit Wollwind

Alles begann an einem windigen Sonntag Anfang Juli. Getreu dem berüchtigten deutschen Sommer war die Luft klar, kalt und es zog wie Hechtsuppe. Und während die meisten Menschen sich noch einmal in ihren warmen Betten umdrehen und weiterschlafen oder allerhöchstens los gehen, um Brötchen zu holen, stand ich mit meiner Tochter hinter einem Kartenhäuschen der Berliner Dampferlobby, um dem Wind wenigstens ein bisschen zu entgehen. Wir warfen uns aufmunternde Blicke zu und hielten Ausschau nach anderen Strickmenschen. Das Problem ist nun, dass man ebendiese nicht direkt an einem praktischen Signalton oder einem offiziellen Strickanstecker erkennen kann. So taxierten wir also das Fußvolk nach herauslugenden Stricknadeln oder flatternden Wollfäden. Das frühmorgendliche Abenteuer, auf das wir uns begeben wollten, hieß nämlich: Strickdampferfahrt! Veranstaltet von der lieben Gesine aus dem „Wollwind“ sollte es zunächst mit einem Dampfer zur Pfaueninsel gehen, wo wir dann ein paar Stunden herumspazieren, essen, quatschen, staunen und natürlich STRICKEN würden und dann gemütlich bei Kaffee und Kuchen auf der Schiffsschaukel wieder heimwärts.

Nachdem wir durch raffiniertes Herumtänzeln andere Strickerinnen auf uns aufmerksam machen konnten, kamen wir auch direkt ins Gespräch und begaben uns auf das wippende Vehikel. Die besten Plätze waren bereits von der Butterfahrtmafia in Beschlag genommen, wir haben uns dann aber noch ein paar ergattern können. 12 strickende Frauen (beziehungsweise 11 strickende und 1 häkelnde), da herrschte direkt angenehme und lockere Stimmung! Lange blieben Wolle und Nadeln nicht in der Tasche, binnen kürzester Zeit war der Tisch bedeckt mit Pullovern, Stulpen und Tüchern in allen verschiedenen Stadien der Fertigstellung und der Raum gefüllt mit Fachjargon. Hier hatten wir jedoch die Rechnung ohne die Butterfahrtmafia gemacht, da wir die informativen Zwischenansagen zu Sehenswürdigkeiten links, rechts, hinter, vor, über und unter dem Boot wohl überschallten. Ein freundliches „SCHTT!“ von Backbord ließ uns wissen, dass nicht alle so fasziniert von Perl- und Rippmuster waren. Draußen zog die Landschaft an uns vorbei, wir haben viele spannende Projekte bestaunen dürfen und dann ab und zu auch mal zugehört, wenn eine der Lautsprecheransagen ertönte! Mir bislang unbekannte Wolle habe ich direkt fotografiert und befühlt, eventuell ist ja was für EKNDA dabei!

Angekommen am Ufer ging es dann auf eine Fähre, die uns zur Pfaueninsel übersetzte. Es folgte ein Spaziergang über die wunderschöne Insel, das kühle, aber angenehme Wetter sorgte dafür, dass sie nicht zu überfüllt war. Durch Rauch- und Fahrverbot auf der gesamten Landfläche und die freilaufenden Pfauen hat der Ort etwas Magisches, von der Modernen unberührtes. Die Sonne entschied sich dann doch noch, uns gnädig gestimmt zu sein und ließ sich ein wenig blicken. Wir kamen zur Liegewiese und bestellten Speis und Trank, währenddessen begann es zu nieseln, sodass wir uns alle unter einen großen Schirm kuschelten. Ramona hielt der Regen nicht davon ab, bei Kartoffelsalat munter weiterzustricken!

 

Im leichten Nieselregen, der sich aber bald legte, ging es danach weiter auf den Wegen von Luise von Preußen. Die Pfaueninsel diente früher nämlich als Sommerresidenz der beliebten Königin und ihrer Familie. Überall findet man kleine Statuetten und Erinnerungen an alte Zeiten, wir kommen an der Meyerei an (nachdem wir von den Wasserbüffeln ziemlich verwundert angeblickt wurden – sie kuschelten sich unter einen Baum, um sich vor dem Regen zu schützen, während diese merkwürdigen Zweibeiner sich davon offenbar kaum stören ließen). In dem alten Gebäude, in dem früher Milchprodukte hergestellt wurden, finden sich viele liebevoll restaurierte Fundstücke aus Luises Zeiten. Fasziniert und andächtig streiften wir durch die Geschichte. Ein wenig ulkig wird es noch, als man uns bat, vor dem Betreten eines kunstvollgeschmückten Raums riesige, parkettschonende Filzpantoffeln über unsere Straßenschuhe zu ziehen. Die Wände und das Mobiliar schauten wir uns also schlitternderweise an.

Auf dem Rückweg sahen wir noch einmal die Wasserbüffel, leider hatten die sich so verzogen, dass ich hier keine scharfen Bilder präsentieren kann. Der geneigte Leser muss sich selbst einmal auf die Pfaueninsel begeben und ihre Natur und Wunder bestaunen 😉

Mit der Fähre ging es schippernd wieder zurück ans Festland und kurz danach auf den Dampfer, auf dem bereits eine Tafel gedeckt mit Kaffee und Kuchen für uns bereit stand. Lange hielt uns doch auch das nicht vom Stricken (und Häkeln) ab! Es war ein wundervoller Ausflug, trotz des Nieselwetters haben ich und meine Tochter jeden Augenblick genossen. Gerne wieder!

Pfaueninsel mit Wollwind

Wenn das Interesse geweckt wurde, findet ihr auf der Seite von wollwind – www.wollwind.de – noch weitere Infos und die nächsten Termine!

Auf bald,

bolline

EKNDA: Seehawer und Siebert „Turin“

EKNDA: Seehawer und Siebert „Turin“

In der Serie „Ein Knäuel nach dem anderen“ zeige ich euch immer wieder neue Wollsorten, teste sie selbst aus und liste die Vor- und Nachteile auf. Dieses Mal geht es um „Turin“ von Seehawer und Siebert.

Ich war wieder mal im „Loops Berlin“ und habe mich nach neuem Material für meine anstehenden Projekte umgeschaut (wie so häufig) und dabei ist mir die „Turin“ von Seehawer und Siebert aufgefallen. Besonders die grüne Farbe ist mir direkt ins Auge gesprungen!

9 verschiedene Farbtöne gibt es zu erstehen, ich habe mich für die Farbe Grün und Grau entschieden. „Turin“ entpuppte sich als fein ausgesponnener, 4-facher Zwirn, der in 4 Multicolor Farbvarianten daher kommt – handgefärbt! Durch die Beimischung von Maulbeerseide und der Bastfaser Ramie bekommt das Garn Stabilität und einen dezenten Glanz, der mir sehr gefällt. Nach einigem Überlegen habe ich mich dafür entschieden, den Pulli „FF Backward“ daraus zu stricken. Das Modell ist von Atelier Alfa und bei ravelry auf Englisch und Deutsch erhältlich: http://www.ravelry.com/patterns/library/ff-backward

Es hat mir großen Spaß gemacht, mit der „Turin“ zu arbeiten , sowohl an der Maschine als auch per Hand gestrick. Sie ergibt ein gleichmäßiges Strickbild und ist besonders für Anfänger geeignet. Ich werde sicher noch das eine oder andere daraus machen!
Hier nochmal alle wichtigen Infos zur „Turin“ zusammengefasst:

Lauflänge: 100g/425m

Strickmaschine: Feinstricker

Rundstricknadel: 3 mm 80 cm

Maschenprobe: 26 M / 36 R = 10 x 10 cm

Zusammensetzung: 60% Schurwolle, 20% Seide, 20% Ramie

Material: 2 x 200 g Hauptfarbe und ca. 50 g weiß

Preis pro Strang: 100g ca. 9,00€

Verfügbarkeit: im Laden, z.B. bei „Loops Berlin“ und Fadeninsel

Anforderung: Anfänger

Geeignet für: Stricken (Hand und Maschine), Häkeln

Projekte: Pullover, Westen

Tipps: lässt sich gut stricken, die Wolle mit Wachs wickeln, leichtes Kratzen